Milchzahnendodontie: den Milchzahn retten

Milchzähne erfüllen weit mehr als nur eine Übergangsfunktion im kindlichen Gebiss. Sie sind unerlässlich für die Sprachentwicklung, das Kauen und die korrekte Ausbildung des Kiefers. Entzünden sich die empfindlichen Zahnnerven in einem Milchzahn kann eine sogenannte Milchzahnendodontie notwendig werden. Diese Behandlung zielt darauf ab den betroffenen Zahn zu retten und die gesunde Entwicklung des bleibenden Gebisses zu sichern.

So wichtig sind die Milchzähne!

Milchzähne sind nicht nur Platzhalter für die nachrückenden Zähne, sondern auch elementar für die Sprachentwicklung und das Selbstwertgefühl eines Kindes. Ein vollständiges, gesundes Milchgebiss erleichtert die Nahrungsaufnahme, unterstützt eine korrekte Aussprache und sorgt für ein ausgeglichenes Kieferwachstum.

Verlieren Kinder ihre Milchzähne zu früh, beispielsweise durch Karies oder Infektionen, kann das zu Verschiebungen im Zahnbogen führen. Die bleibenden Zähne haben dann oft nicht genug Platz und wachsen schief ein. Auch kann sich die Kieferentwicklung negativ verändern, was später kieferorthopädische Maßnahmen notwendig macht.

Ein weiterer kritischer Punkt: Entzündungen an Milchzähnen können auf die darunter liegenden bleibenden Zähne übergreifen. So entstehen bereits im Kindesalter Schäden, die sich langfristig auf die gesamte Mundgesundheit auswirken. Umso wichtiger ist es, Milchzähne sorgfältig zu pflegen und bei ersten Anzeichen von Problemen frühzeitig zahnärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was ist die Endodontie?

Die Endodontie ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit dem Inneren des Zahns befasst – konkret mit der Pulpa, dem empfindlichen Gewebe aus Nerven und Blutgefäßen im Zahninneren. Ist die Pulpa entzündet oder infiziert, etwa durch tiefe Karies oder ein Zahntrauma, kommt eine endodontische Behandlung zum Einsatz.

Bei Milchzähnen wird diese Therapieform als Milchzahnendodontie bezeichnet. Sie hat das Ziel, den Milchzahn trotz Schädigung zu erhalten und bis zum natürlichen Zahnwechsel funktionstüchtig zu halten. Dies ist besonders wichtig, da frühzeitiger Zahnverlust negative Folgen für die Zahnstellung und das Wachstum haben kann.

Die Besonderheit bei Milchzähnen liegt in ihrer Anatomie: Sie besitzen eine dünnere Zahnhartsubstanz und ein im Verhältnis zum Zahnvolumen größeres Pulpengewebe. Dadurch schreiten Kariesinfektionen schneller voran als bei bleibenden Zähnen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind daher entscheidend, um Schmerzen und Folgeschäden zu vermeiden.

Wann ist eine Milchzahnendodontie notwendig?

Nicht jeder kariöse Milchzahn erfordert eine endodontische Behandlung. Eine Milchzahnendodontie wird dann notwendig, wenn die Pulpa durch Bakterien so stark geschädigt ist, dass sie sich entzündet oder bereits infiziert ist.

Häufige Auslöser sind tiefgehende Karies oder ein Unfall, bei dem der Zahn verletzt wurde. Die betroffenen Kinder klagen oft über Schmerzen, zeigen Temperaturüberempfindlichkeit oder entwickeln eine Schwellung am Zahnfleisch.

Doch auch bei scheinbar beschwerdefreien Zähnen kann eine Entzündung vorliegen. Hier liefern Röntgenbilder wichtige Hinweise.

Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu stoppen, den Zahn zu erhalten und somit eine gesunde Entwicklung des Gebisses zu sichern. Wird nicht rechtzeitig behandelt, kann sich die Infektion bis in den Kieferknochen ausbreiten und den nachfolgenden bleibenden Zahn gefährden.

Ursachen einer Milchzahnendodontie

Die Gründe für eine notwendige Milchzahnendodontie sind vielfältig. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Tiefe Karies: Bakterien dringen durch kariöse Defekte tief in den Zahn ein und infizieren das Zahnmark.
  • Mangelhafte Mundhygiene: Unzureichendes Zähneputzen oder unregelmäßige Zahnpflege begünstigen die Entstehung von Karies.
  • Zuckerreiche Ernährung: Häufiger Konsum von süßen Getränken oder Süßigkeiten fördert das Bakterienwachstum im Mund.
  • Zahntrauma durch Sturz oder Schlag: Auch ein äußerlich intakter Zahn kann im Inneren verletzt sein, was zu einer Entzündung führt.
  • Unbehandelte Karies im Frühstadium: Wird eine beginnende Karies nicht erkannt oder ignoriert, kann sie sich unbemerkt bis zur Pulpa ausdehnen.
  • Falsches Flaschenverhalten bei Kleinkindern: Dauerhaftes Nuckeln an der Flasche, besonders nachts, kann frühkindliche Karies massiv fördern.
  • Genetisch bedingte Schwächen im Zahnschmelz: Manche Kinder haben von Natur aus eine erhöhte Anfälligkeit für Zahnerkrankungen.

Behandlungsablauf

Ist die Entscheidung für eine Milchzahnendodontie gefallen, erfolgt die Therapie in mehreren Schritten. Ziel ist es, den erkrankten Zahn schonend zu behandeln und langfristig zu erhalten.

  • Schritt 1: Gründliche Untersuchung und Diagnostik – Zunächst wird der Zahn eingehend untersucht. Mithilfe eines Röntgenbilds prüft der Zahnarzt, wie weit die Entzündung fortgeschritten ist und ob die Wurzelkanäle betroffen sind.
  • Schritt 2: Lokale Betäubung und Trockenlegung – Um Schmerzen während der Behandlung zu vermeiden, wird der Zahn lokal betäubt. Danach wird er mit einer speziellen Gummimembran (Kofferdam) vom restlichen Mundraum isoliert.
  • Schritt 3: Öffnung des Zahns und Entfernung der Pulpa – Der Zahn wird geöffnet und die entzündete oder infizierte Pulpa entfernt. Je nach Ausmaß handelt es sich um eine Pulpotomie (teilweise Entfernung) oder eine Pulpektomie (vollständige Entfernung).
  • Schritt 4: Reinigung und Desinfektion – Die Kanäle im Inneren des Zahns werden gründlich gereinigt und desinfiziert, um alle Bakterien zu beseitigen.
  • Schritt 5: Füllung mit resorbierbarem Material – Die leeren Hohlräume werden mit einem speziellen Material gefüllt, das vom Körper später abgebaut wird. So wird verhindert, dass sich erneut Bakterien ansiedeln.
  • Schritt 6: Verschluss und Stabilisierung des Zahns – Der behandelte Zahn wird verschlossen, oft mit einer Kinderkrone, um ihn langfristig vor neuer Karies oder Brüchen zu schützen.
  • Schritt 7: Regelmäßige Kontrolle – Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrolltermine wichtig, um die Heilung zu überwachen und den Behandlungserfolg sicherzustellen.

Einer Milchzahnendodontie vorbeugen

Auch wenn die moderne Zahnmedizin hervorragende Möglichkeiten zur Behandlung bietet, lässt sich eine Milchzahnendodontie in vielen Fällen durch gezielte Vorsorge vermeiden.

  • Frühzeitige Zahnpflege: Ab dem ersten Zahn ist das regelmäßige Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta empfohlen.
  • Zweimal tägliches Zähneputzen: Kinder brauchen bis etwa zum achten Lebensjahr Unterstützung durch Erwachsene beim Zähneputzen.
  • Zuckerarme Ernährung: Süßigkeiten, Fruchtsäfte und gesüßte Tees sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Frühzeitige Kontrollen helfen, Karies rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Fissurenversiegelung: Eine Versiegelung der Backenzähne senkt das Kariesrisiko.
  • Aufklärung der Eltern: Eltern spielen eine Schlüsselrolle bei der Zahnpflege ihrer Kinder und sollten über Risiken und Prävention informiert sein.
  • Vermeidung von Dauernuckeln: Besonders in der Nacht sollte keine Flasche mit zuckerhaltiger Flüssigkeit gegeben werden.

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